Saturday, July 11, 2026

Toter Hirte

 Ich weiß gar nicht, vor wie vielen Jahren ich "Glenkill" das erste mal gelesen habe. Passend zur Fimlpremiere über die Schaf-Detektive wurde das erste Buch von Leonie Swanns Schafs-Triologie wieder aufgelegt, und beim Wiederlesen habe ich gemerkt, wie viel ich von der Handlung vergessen hatte. Das Wiedersehen mit Miss Maple, dem klügsten Schaf der Herde, Gedächtnisschaf Mopple, dem Winterlamm und den anderen Herdenmitgliedern, die den Mord an ihrem Hirten aufklären, hat Spaß gemacht. 

Die scheinbare Idylle der Kleinstadt, vor deren Toren oder vielmehr Hecken die Herdeihe Weide hat, hat Abgründe, auch wenn die Mäh-tektive mitunter  nicht gleich erkennen, wer gut und wer böse ist. Aber da können sich auch Menschen bekanntlich täuschen. Selbst Hirte George, der seinen Schafen abends Kriminalromane  vorlas, hatte ein paar dunkle Seiten, Im Umgang mit den Schafen war er allerdings vorbildlich, deshalb muss sein Tod geahndet werden. Auf die Polizei allein wollen sich die Schafe da nicht verlassen.

Mit Einfallsreichtum, Schaf-Bedächtigkeit und Kreativität  bringen sie die menschlichen Ermittler schließlich auf die richtige Spur. Ein liebenswerter Cozy, der auch bei den Schafen einige sehr menschliche Eigenschaften findet. Wie schön, dieses Buch wiederentdeckt zu haben.

Leonie Swann, Glennkill

DuMont 2026

400 Seiten, 14 Euro

9783755805786



Thursday, July 9, 2026

Kein Karnevalsscherz: Armin Laschet als Bundespräsident in geheimer Mission

 Sein Name ist Laschet, Armin Laschet, und in David Safiers neuem Roman "0-0-Laschet" macht der CDU-Politiker nicht nur Karriere als Bundespräsident, sondern stolpert in eine Agentenrolle. Denn sein neuer Job, so lernt er gleich am ersten Tag im Schloss Bellevue, ist nicht etwa, oberster Repräsentant des Landes zu sein, Staatsgäste zu empfangen und staatstragende Reden zu halten. Nein, er ist in seiner Rolle auch Steigbügelhalter und Türöffner für einen streng geheimen Geheimdienst, der Schloss Bellevue buchstäblich unterhöhlt hat für den Aufbau seiner Zentrale. 

Das ist nicht die einzige Überraschung für Armin, der sich irgendwie sehr schnell ins Aachener Reihenhaus und das bürgerliche Familienleben zurücksehnt. Seine neue Social-Media-Beraterin entpuppt sich nicht nur als die einstige Nachbarstochter, für die er immer noch "Onkel Laschi" ist - die junge Frau ist Top-Agentin in dem erwähnten Geheimdienst - und Laschet muss sich mal eben in den Buckingham Palace einladen lassen, um ihr dort Ermittlungen zu ermöglichen.

Dort trifft er nicht nur Charles, Camilla und George Clooney, sondern trampelt auch sehr schnell in das eine oder andere Fettnäpfchen. Das diplomatische Parkett ist offenbar noch glatter als Parteizentralen voller ränkeschmiedender und intriganter Parteifreunde! Doch das ist nur der Anfang eines harsträubenden Abenteuers, um eine gobale Verschwörung mit katastrophalen Auswirkungen für die ganze Welt aufzudecken. Dabei freundet sich Laschet zunehmend mit der Idee an, mal eben die Welt retten zu wollen, wobei seine freundliche und mitunter doch recht tolpatschige Art angesichts abgefeimter Gegenspieler so manche schwierige Lage zur Folge hat.

Nach der ermittelnden Altkanzlerin Angela Merkel hat Safier erneut einen poltischen Protagonisten für einen Cozy-Agentenkrimi in den Mittelpunkt gestellt. Wie auch bei den Miss Merkel-Romanen gibt es ein paar Seitenhiebe auf die Politik, ohne dabei irgendwem wirklich weh zu tun. Und manches ist ein wenig arg klamaukig. Trotzdem ein liebenswerter Protagonist, der sich mit geradezu kindlichem Staunen in einer Welt behaupten muss, die eigentlich ein bißchen groß für ihn ist. Dass es bei allen Turbulenzen und Gefahren nur auf ein happy end hinauslaufen wird, versteht sich dabei von selbst.


David Safier, 0-0-Laschet

Rowohlt 2026

288 Seiten, 18 Euro

9783463000466

Friday, May 8, 2026

Kleinstadtmädchen im Eliteinternat

 Die Buchbeschreibunng des Coming of Age-Romans "Prep" von Curtis Sittenfeld klang vielversprechend: Ein Mädchen aus dem mittleren Westen der USA in einer Prep-School der US-Ostküste, einem jener Eliteinternate, die der Vorbereitung zum Studium an einer der nicht weniger elitären Ivy League-Universitäten dienen. Lee Fiora, Tochter eines Matratzenhändlers aus Indiana, gehörte an ihrer alten Schule stets zu den Besten. Eigeninitiativ bewirbt sie sich für die Aufnahme an einer Prep-School und ein Stipendium, stellt ihre Eltern vor fast vollendete Tatsachen.

Laut Beschreibung ein Buch über die Schwierigkeiten, einen Platz im Leben zu finden. Beim Lesen allerdings hatte ich so meine Probleme mit der Protagonistin, vor allem ihrer Passivität - sei es im Umgang mit den Mitschülern, sei es mit den akademischen Anforderungen. Von dem lernbegierigen Mädchen ihrer alten Schule, in der der Unterricht häufig ein Dialog zwischen Lee und ihren Lehrern war, ist nichts zu spüren. Die Leistungen sind allenfalls durchschnittlich - und Lee nimmt es einfach hin. Selbst als ihr wegen schlechter Matheleistungen ein Rausschmiss kurz vor dem Abschluss droht, läuft sie gewissermaßen mit Scheuklappen durch den Unterricht und entwickelt nicht den Ehrgeiz, gegenzusteuern.

Die sozialen Untzerschiede zu den Schülern aus reichem Elternhaus werden gleich in den ersten Wochen bewusst, doch auch hier macht die Autorin nicht deutlich, was das mit ihrer Protagonistin macht. Lee beobachtet stumm und unkommentiert, bleibt im Umgang mit anderen passiv und kann so weder gute noch schlechte Erfahrungen machen. Handelt sie aus einer Art Minderwertigkeitsgefühl so? Auch das bleibt letztlich offen. Lee ist keineswegs die einzige Stipendiatin, doch auch zu anderen Schülerinnen und Schülern, die materiell nicht mithalten können, sucht sie keinen Kontakt. 

Lee ist mir beim Lesen fremd und fern geblieben, und auch die Prep School als Mikrokosmos blieb merkwürdig leblos. Schade.


Curtis Sittenfeld, Prep

DuMont 2026

592 Seiten, 15 Euro

 9783832168445

Sunday, May 3, 2026

Wolliger Cozy um die Schafe von Glenkill

 Es ist Jahre her, dass ich Leonie Swanns Schafskrimi "Glenkill" gelesen habe. Als ich sah, dass Miss Maple, Mopple the Whale mit dem guten Gedächtnis, Sir Richmond und die anderen Herdentiere im Mittelpunkt des Folgebands "Garou" stehen, wollte ich natürlich wissen, welche Abenteuer die Schafe diesmal erleben. Klärten die Schafe einst den Mord an ihrem Hirten George auf, wollen sie nun dafür sorgen, dass ihrer neuen Hirtin Rebecca nichts passiert. Auch einen Ortswechsel gibt es, denn Rebecca ist mit der Herde von Irland nach Frankreich in die Nachbarschaft eines Schlosses gezogen. Dort sprechen die Leute nicht nur unverständliches Europäisch, in unmittelbarer Nachbarschaft der Schafsweide leben Ziegen - da sind sich die Schafe erst mal gar nicht sicher, ob der Umzug so eine gute Idee war.

Die vorwitzigen Ziegen sind es auch, die den Schafen vom Garou erzählen einem Menschen, in dem sich ein Wolf versteckt. Und der muss verdammt wild sein, wenn man den Zustand eines toten Rehs betrachtet, dass im Wald gefunden wurde. Doch wer ist der Garou? Kann er Rebecca und der Herde gefährlich werden? Ist den Bewohnern des Schlosses zu trauen, oder droht von ihnen Gefahr? Schwierige Fragen, und die Schafe sind gezwungen, buchstäblich ihre Komfortzone zu verlassen. Die Tiere, die sich eigentlich nur zusammen richtig wohl fühlen, müssen nicht nur individuelle Abenteuer bestehen, sie müssen auch die sichere Weide verlassen und im Wald auf Garou-Suche gehen, jenem unheimlichen Ort, wo die Bäume so dicht stehen und man den Himmel nicht sieht!

Rebecca wiederum ist abgelenkt von möglicherweise drohenden Gefahren, da ihre Mutter zu einem ausgedehnten Besuch im Schäferwagen aufgetaucht ist. Wenig Platz für zwei sehr unterschiedliche Frauen, vor allem, als Mama dann auch noch als Weissagerin mit Tarot-Karten den Schäferwagen zu ihrem Arbeitsplatz umwidmet. Nicht nur Rebecca, auch die Schafe finden das gar nicht gut.

Auch in "Garou" stellt Swann die Gedanken und die Gespräche der Schafe in den Mittelpunkt, wollige Gedankengänge, die manchmal etwas diffus sind und einer eigenen Logik folgen. Der Gegensatz im Verhalten von Schafen und Ziegen wird liebenswert und vor allem aus Schafsperspektive gezeigt, und nach anfänglichen Irritationen steht der friedlichen Koexistenz nichts mehr im Weg.  Ein liebenswerter Cozy, allen Tierfreunden zu empfehlen, die weniger auf nervenzerfetzende Spannung stehen. langsam und gemächlich erzählt - ganz so, wie Schafe auf der Weide kauen.


Leonie Swann, Garou

Dumont 2026

432 Seiten, 14 Euro

9783755805793

Tod eines Taubenzüchters

 Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall hat sie aber zu Freunden gemacht. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel - SoKo Zwergsäger" ermittelt das ungleiche Quartett ein weiteres Mal. Denn Haralds Kumpel und Schrebergartennachbar gerät unter Mordverdacht, als ein Taubenzüchter tot auf seinem Grundstück gefunden wird. Die beiden Männer hatten sich heftig gestritten. Klar, dass die übrigen Freunde Harald nicht im Stich lassen, wenn er die Unschuld seines Freundes beweisen will.

Wie schon der erste Band um die Abenteuer der Hobby-Ornithologen am Chiemsee  lebt das Buch von den sehr unterschiedlichen und durchaus eigenwilligen Charakteren. Die Protagonisten haben sich zusammengerauft, zwischen dem grantelnden Harald und dem vegan lebenden und politisch stets korrekten Thilo ist eine Freundschaft entstanden, die am Anfang des ersten Bandes ausgeschlossen schien. Katja, die zwar mit lateinischen Zitaten um sich werfen kann, deren Sozialkompetenz aber noch deutlich ausbaufähig ist, macht vorsichtige Schritte auf ihre irische Kollegin zu, in die sie sich heimlich verliebt hat. Und auch für Sabine ist trotz Doppelbelastung mit pubertierendem Sohn und pflegebedürftiger Mutter ein bißchen Romantik drin.

Vor allem aber geht es natürlich um Vögel - die wildlebenden und die, die als Zuchttiere Tausende von Euros wert sein konnen. Wo es um viel Geld geht, können sich auch schon mal Abgründe auftun - Doping im Taubensport ist da nur ein Beispiel. An Verdächtigen mangelt es den Hobby-Detektiven nicht, schwieriger ist es schon die zuständigen professionellen Ermittler von ihren Überlegungen zu überzeugen. Dass Harald gerne so tut, als sei er immer noch im Dienst der Polizei, hilft da nicht wirklich.

"Soko Zwergsäger" steht dem ersten Band nicht da. Liebenswerter Cozy-Krimi, in dem nicht nur die Vögel schräg sind.


Anna Täuber, Schräge Vögel. Soko Zwergsäger

Fischer Scherz 2026

336 Seiten, 17 Euro

 9783651001381

Friday, October 17, 2025

Party, Erpressung, Leichen

 Rosemary MacLaine, 76 Jahre alt, hat einen eher herben Charme. Gefühle ausdrücken, das ist nicht so ihr Ding, dazu ist sie zu sehr eine alte Yankee-Dame. Dafür kann sie mit einem Schneemobil umgehen - praktisch, wenn man auf einer Insel in den Großen Seen lebt, wo eisige Winter garantiert sind. Das eher zurückgezogene Rentnerdasein wird jäh gestört, als eine Nachbarin zur Party ins feudale Herrenhaus einlädt - mit dem Hinweis, dass Rosie besser kommt. Andernfalls werde ihr gut gehütetes Geheimnis ans Licht kommen.

Soweit die Ausgangslage von "Die Einladung. Mord nur für geladene Gäste" von Kelly Mullen. Rosemary weiß - vor dieser Einladung kann sie sich nicht drücken. Sie kommt allerdings mit Rückendeckung in Form ihrer Enkelin Addie, als Spieleerfinderin rätselerprobt. Eine wichtige Eigenschaft, wie sich schon bald zeigen wird. Denn die etwas dahindümpelnde Party geht auf die Mitternachtsdrinks zu, als es dramatisch wird: Eine Leiche wurde gefunden - und dabei handelt es sich um die Gastgeberin. Opfer eines anderen, eher gewaltbereiten Erpressungsopfers? Oder Opfer einer tödlichen Intrige?

Rosie und Addie machen es sich zur Aufgabe, den Täter oder die Täterin zu finden. Nicht jeder ist davon begeistert, denn im Rahmen ihrer Ermittlungen stoßen sie bei den teils illustren, teils exzentrischen, immer aber potentiell verdächtigen Gästen auf manche bisher erfolgreich verborgene Peinlichkeit und potenzielle Motive.  Die Zahl der Verdächtigen schrumpft, denn es bleibt nicht bei einem Mord. Dann fällt auch noch der Strom aus, die Partygäste sind im Haus eingeschlossen, einem Haus, das selbst so manches Geheimnis besitzt.

Mullens Cozy-Krimi mit ihren mitunter naiv-unbedarften Ermittlerinnen im winterlichen Locked Room-Setting ist ein unterhaltsamer Rätselspaß. Das erinnert ein bißchen an Miss Marple und Agatha Cristie, auch in der manchmal etwas betulichen Erzählweise. Sicher kein Buch für Leser*innen, die knallharte Spannung oder einen Plot im Noir-Stil bevorzugen. Wer einen klassischen Whudunit ohne viel Blutvergießen mag, wird zufrieden sein.


Kelly Mullen, Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste

Rororo 2025

400 Seiten, 14 Euro

9783499016400

Monday, October 13, 2025

Der Donnerstagsmordclub hat keine Zeit für Ruhestand

 Andere Senioren mögen Kreuzworträtsel lösen und Gedächtnistraining machen - das Quartett des Donnerstagsmordclub betätigt sich statt dessen als Codeknacker in Richard Osman´s "Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code." Von Ruhestand kann bei den mittlerweile immerhin über 80-Jährigen trotz scheinbar beschaulicher Seniorenresidenz wirklich keine Rede sein. Dabei hatte ich schon befürchtet, der vierte Band könnte so eine Art Schwanengesang sein.

Doch weit gefehlt - auch wenn das Alter und seine Einschränkungen durchaus zu Einschränkungen führen und der Gedanke an die eigene Endlichkeit nie ganz weg - Joyce, Elisabeth, Ibrahim und Ron stellen sich auch weiter den Herausforderungen. 

Im Fall von Joyce: Die Hochzeit ihrer Tochter. Endlich! Und sogar mit einem ausnehmend sympathischen Schwiegersohn! Im Fall von Ron: Seinen Schwiegersohn hat er ja noch nie sonderlich gemocht. Aber dass die Ehe seiner Tochter mit einem koksenden Kriminellen von Gewalt geprägt ist, das hat er nicht geahnt. Auch steife Gelenke und schmerzende Knie werden ihn nicht davon abhalten, für Gerechtigkeit zu sorgen!

Was Ibrahim angeht, der führt mit Drogenhändlerin Connie sein ganz persönliches Resozialisierungsprojekt durch, während Elisabeth nach wie vor um ihren toten Ehemann trauert. Kein Mord also? Weit gefehlt, als der Trauzeuge von Joyce´s Schwiegersohn spurlos verschwindet, ein Auto explodiert und ziemlich viele Menschen hinter einem Zettel für Kryptowährung her sind. Der befindet sich in einem Schließfach, das durch einen Code geschützt ist - und schnell ahnen die vier Hobby-Ermittler, dass der Code womöglich auch mit dem verschwundenen Trauzeugen zusammenhängt. 

Doch wo in diesem Fall die Guten und wo die Bösen sind, ist den Clubmitgliedern diesmal lange nicht ganz klar. Hilfe gibt es von zwei gewitzten Teenagern. Damit funktioniert der Cozy Crime mit bewährtem britischen Humor auch generationsübergreifend. Und wichtiger als alles andere ist, dass das Seniorenquartett sich gegenseitig (unter-)stützt und hilft - bei den Ermittlungen ebenso wie in Alltagskrisen. Obwohl oder vielleicht auch gerade wegen ihrer so unterschiedlichen Temperamente und Persönlichkeiten. Mögen sie einander - und den Lesern Osmans - noch lange erhalten bleiben!


Richard Osman, Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code

List 2025

448 Seiten, 17,99 Euro

9783471360651