Monday, August 11, 2025

Die Staatsanwältin und die grüne Leiche

 Evi Pflaum hat sich einen Herzenswunsch erfüllt. Nach Jahren in München ist die junge Staatsanwältin zurück in die fränkische Heimat gekehrt und verstärkt jetzt die Anklagebehörde in Bamberg, der Stadt mit den vielen Brauereien. Schaden genommen hat dabei allerdings ihre Beziehung - ihr Lebensgefährte, Anwalt in einer Wirtschaftskanzlei, der sich im Studium unsterblich in Evi verliebt hatte, findet die Liebe nun doch nicht wert, als Fernbeziehung am Leben gehalten zu werden. Jetzt ist Evi wieder ins alte Kinderzimmer auf dem Hof ihrer Eltern eingezogen und hofft, dass ihre hamsternde Mutter doch noch mal die Einliegerwohnnung frei räumt.

Auch Evis neuer Job bietet keinen sanften Einstieg in Carina Heers Cozy-Krimi "Das Bierkomplott": Ihr Vorgesetzter ist krank, deshalb bekommt es Evi gleich in ihrer ersten Arbeitswoche mit einem Mordfall zu tun. Die im Separee eines Puffs gefundene Leiche einer Prostituierten ist bizarrerweise mit grünem Flaum überzogen und riecht nach Malz. Also nicht gerade ein unkomplizierter Einstieg für die junge Staatsanwältin. Es gibt aber auch erfreuliches: Den grünäugigen Gerichtsmediziner nämlich, den sie beim ersten Zusammentreffen glatt für einen Kriminellen gehalten hat. Nachdem dieser Irrtum geklärt ist, muss Evi ihre romantischen Gedanken nicht mehr bremsen.

Wenn "Das Bierkomplott" leicht versaut ist, liegt das allerdings nicht an heißen Sexszenen, sondern an Rosi, der Sau, die gleich auf den ersten Buchseiten geschlachtet wird. Anders als ihre vegane (und mit dem örtlichen Schlachter verheiratete) Schwester liebt Evi nämlich Schlachterplatte, Leberwurst, Pressack und all die anderen fleischlichen Schweinereien, in die Rosi und ihre Artgenossen verarbeitet werden können. Ihre Ermittlungen hingegen werden durch regelmäßiger Alkoholabstürze mit ihrer besten Freundin erschwert. Kerw hier, Junggesellinnenabend da. Vergesst das P1, das dörfliche Nachtleben kann heftig sein. Und Aktenstudium mit Kater - oder Flirts mit einem gewissen Gerichtsmediziner mit Asbachfahne - sind auch nicht gerade einfach.

Auch wenn mir beim Lesen das "frrrrengisch" rollende R im Kopf rumschwebte - dieses Buch würde ich gerne als Hörbuch und entsprechender Dialektfärbung genießen. Aber auch so konnte ich mir Evis Abenteuer zwischen Dorf und Bamberger Behörde lebhaft vorstellen. Besonders blutig ist es genrekonform nicht und das Buch hat mehr mit einer romantic comedy als mit einem Krimi gemeinsam. Wie es auszugehen hat, ist deshalb frühzeitig klar. Am Lesespaß ändert das aber nichts. Dieser gute Laune-Cozy hat die Erwartungen erfüllt.

Carina Heer, Das Bierkomplott

Gutkond Verlag 2025

336 Seiten, 16 Euro

9783989411081

Unverhofft Brautjungfer

 Phoebe, als Literaturprofessorin mäßig erfolgreich, wegen dem Scheitern ihrer Ehe und ihrer unfreiwilligen Kinderlosigkeit depressiv, hatte eigentlich feste Pläne, als sie sich in einem stilvollen Luxushotel an der Küste Neuenglands für eine Nacht einbucht: Hier will sie ihrem Leben ein Ende setzen. Doch es kommt ganz anders in Alison Espachs "Wedding people", einer RomCom mit mehr Tiefgang, als sie das Genre üblicherweise bietet.

Denn Phoebe platzt in eine siebentägige Hochzeit - als einziger Gast des Resorts, der nichts mit der Hochzeit zu tun hat. Was zunächst niemandem auffällt. Doch Braut Lilly, hübsch, reich und eher oberflächlich, reagiert bei einem zufälligen Zusammentreffen, auf dem Phoebe genervt mit ihren Suizid-Plänen herausplatzt, pikiert: Was Phoebe denn einfalle, ihre Traumhochzeit zu ruinieren!

Tatsächlich setzt Phoebe ihren Plan erst mal nicht um - und avanciert zur eigenen Überraschung zur Brautjungfer. Dann stellt sie fest, dass der Mann, mit dem sie am Abend des geplanten Selbstmords geflirtet und sich über Depressionen ausgetauscht hat, ausgerechnet der Bräutigam ist. Je mehr Zeit sie mit der Hochzeitsgesellschaft verbringt, desto mehr zeigt sich, dass viele in der Gruppe selbst Tod und Trauer mit sich herumschleppen: Der Bräutigam, ein Witwer und nun alleinerziehender Vater, behandelte Lillys krebskranken Vater, der dann allerdings doch nach kurzer Zeit starb. War es die jeweilige Verlusterfahrung, die das Paar zusammenschmiedete? Denn Persönlichkeit und Interessen der beiden sind sehr unterschiedlich.

Je mehr Phoebe in die Hochzeitsvorbereitungen involviert wird, um so mehr stellt sie fest, dass sie in ihrem Leben immer noch Weichen stellen kann, dass die Reichen auch so ihre Probleme haben und dass ihre Schreibblockade nicht allein auf ihre Dissertation beschränkt ist, sondern sich auch auf ihre Rede auf die Braut auswirkt.

Klar, dass es Verwirrungen und Irrungen gibt auf dieser Hochzeit und ein Happy-End genremäßig unausweichlich ist. Auch wenn Leser*innen früh klar ist, in welche Richrung sich die Handlung entwickelt, ist "Wedding people" nett und angenehm zu lesen und bietet Charaktere, die nicht allzu klischeehaft daherkommen.

Alison Espach, Wedding people

Lübbe 2025

480 Seiten, 24 Euro

9783757701291