Monday, December 25, 2023

Eine Frau in der Medienwelt der 70-er Jahre

  Als ich "Die Unbestechliche" von Maria von Walser und Waltraud Horbas las, hatte ich mir ein Buch erwartet, in dem es auch um die Auseinandersetzung mit Frauen im Journalismus, Frauenbewegung und emanzipatorische Ansprüche ging. Das Buch, das zumindest teilweise auf den journalistischen Erinnerungen von Maria von Walser beruht, wirkte auf mich dann allerdings mehr wie ein belletristischer Frauenroman, mehr Chick Lit als Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der Frauen in der Medienwelt eher die Ausnahme als die Regel waren und in den Redaktionen vermutlich noch deutlich mehr Macho-Sprüche und Haltungen verbreitet waren, als ich sie 20 Jahre später erlebte - und da war auch noch genug vorhanden.

Gerade weil ich von Walser aus ihren Sendungen durchaus kämpferisch wahrgenommen habe, bin ich von diesem Buch ein bißchen enttäuscht. Das private Leben der halbfiktiven Protagonistin überlagert das Geschehen, der Arbeitsalltag ist von einer gewissen Beliebigkeit und auch die Vernetzung mit anderen Frauen irgendwie mehr im Bereich von Frauenfreundschaft als im Zusammenschluss gegen eine von Männern dominierte Redaktion, in der Frauen klein gehalten oder auf "Frauenthemen" begrenzt bleiben.

Klar, das Zeitgeschehen schimmert durch, gerade in Abschnitten, in denen auf historische Bezüge wie die Studentenbewegung, Olympia 1972 mit dem Terrorangriff auf die israelischen Sportler usw eingegangen wird. Doch es bleibt eine gewisse plaudernde Beliebigkeit. Mag sein, dass Leserinnen, die überhaupt nichts mit Journalismus zu tun haben und eine Frauenbiografie lesen wollen, dieses Buch ganz anders aufnehmen. Es ist nett zu lesen, es gibt durchaus eine Ahnung von den Schwierigkeiten, die Frauen in den späten 1960-ern und 70-ern hatten, beruflich Karriere zu machen, ja überhaupt berufstätig zu sein - vor allem, wenn sie obendrein Kinder hatten. Als Zeit- und Zeitungsgeschichte ist mir dieses Buch allerdings zu allgemein und wenig zugespitzt gebleiben.


Waltraud Horbas, Maria von Walser, Die Unbestechliche

List 2023

432 Seiten,  21, 99 Euro

9783471360613

Sunday, December 17, 2023

Der Donnerstagsmordklub und sein vielleicht persönlichster Fall

 Ein bisschen exzentrisch, eigensinnig und sehr, sehr britisch - so kennt man das Quartett von Richard Osmans "Donnerstagsmordclub". In einer Seniorenresidenz trotzen Ex-Spionin Elizabeth, die einstige Krankenschwester Joyce, der Ex-Gewerkschafter und Arbeiterkämpfer Ron sowie der teilweise noch praktizierende Psychiater Ibrahim Langeweile und Altersbeschwerden. Nach dem Motto "Wer rastet, der rostet" kümmern sie sich um ungeklärte Kriminalfälle, mitunter zur Verzweiflung von Chris und Donna, zweier mit den vier Rentnern befreundeter Polizisten.

Auch der nunmehr vierte Band der Reihe "Ein Teufel stirbt immer zuletzt" bildet hier keine Ausnahme. Es geht sogar handfest zur Sache: Der Tod eines Antiquitätenhändlers scheint der Anfang eines Drogenkrieges an der englischen Südküste zu sein. Alle sind plötzlich auf der Suche nach einem Kästchen mit Heroin, das der Händler eigentlich nur für 24 Stunden in Verwahrung nehmen sollte. Hat er womöglich versucht, als Amateur in den Drogenmarkt einzusteigen?

Die vier vom Donnerstagsmordclub wollen das nicht glauben, handelt es sich doch bei dem Toten um einen Freund von Elizabeth´ s Ehemann Stephen.  Obendrein werden Chris und Donna von einer vorgesetzten Abteilung ausgebremst - da ist es Ehrensache, dass das Quartett nicht einfach beiseite stehen kann.

Wie auch in den Vorgängerbänden wird ein sehr britischer Humor mit den persönlichen Geschichten und Beziehungen der Protagonisten verbunden. Dabei wird es diesmal aber  deutlich melancholischer, emotional und tiefsinniger. Denn Stephens Demenzerkrankung ist so weit vorangeschritten, dass schwierige Entscheidungen anstehen. Demenz, Abschied, Trauer - das sind Themen, die mindestens ebenso wichtig sind wie der eigentliche Fall und Osman schafft es, sehr sensibel und einfühlsam zu schreiben, ohne ins Rührselige abzugleiten. 

Während die Bände der Reihe zwar in sich abgeschlossen sind, ist es sicherlich gut, die vorangegangenen gelesen zu haben, um die Nebenfiguren und ihre Beziehungen zum Donnerstagsmordclub einordnen zu können. Andernfalls könnte ein Neuleser vermutlich leicht die Übersicht verlieren. Ich habe das Quartett jedenfalls liebgewonnen, auch wenn mir Joyce mit ihrem Geplapper mitunter auf die Nerven geht. Die vier sind Sympathieträger, von allerlei Zipperlein geplagt, aber entschlossen, nicht klein beizugeben, nur weil sie absehbar auf der letzten Etappe des bereits ziemlich langen Lebens sind. Aber den einen oder anderen Mord, den wollen sie halt doch noch klären. Fortsetzung folgt?


Richard Osman, Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

List 2023

432 Seiten, 17,99 Euro

9783471360514

Wednesday, December 13, 2023

Ex-Kanzlerin auf mörderischer Kreuzfahrt

  Egal wie man zu Angela Merkel oder zur CDU steht - die Romanreihe von David Safier um die verrentete Ex-Kanzlerin als Hobbydetektivin sind liebenswerte und unterhaltsame Cozy-Krimis mit ironischen Seitenhieben auf die Alphamännchen der Weltpolitik, auf die Angela Merkel im Ruhestand mit abgeklärter Distanz blicken kann. Ich habe mich also gefreut als mit "Miss Merkel: Mord auf hoher See" der nunmehr dritte Band der Reihe als Buch und Hörbuch erschien. 

Wie der Titel schon verrät verlässt Angela Merkel mit der eingeschworenen Gruppe bestehend aus Ehemann Joachim, Bodyguard Mike, Bestie Marie samt Söhnchen Adrian sowie natürlich Mops Pupsi (ehemals Putin) die heimische Uckermark, um auf Kreuzfahrt zu gehen. Noch ein Klima-Faux-pas der Ex-Kanzlerin? Nein, diesmal hat sie alle ökologischen Gewissensbisse wegen des CO2-Abdrucks aus einem guten Grund hinter sich gelassen: Bei der dreitägigen Mini-Kreuzfahrt in der Ostsee (mit Bahn-Anreise) handelt es sich um eine Krimi-Kreuzfahrt mit mehreren bekannten Autoren, die auch Workshops geben.

Hier liegt denn auch das eigentliche Motiv für die Reise, denn die Ex-Kanzlerin ist im Ruhestand ein wenig gelangweilt und nicht völlig ausgelastet, nachdem es schon seit Monaten keine ungeklärten Mordfälle mehr zu lösen gab. Heimlich schreibt sie an einem Kriminalroman, doch gründlich wie Frau Merkel nun mal ist, will sie von den Besten lernen und nicht dilettantisch etwas verfassen, was womöglich gründlich daneben geht.

Anders als in der Politik verzichtet Safier bei den prominenten Autoren auf Name-Dropping, aber die Beschreibung der Autoren erinnert schon an die eine oder andere Parallele in der Verlagswelt, wobei sich da sicherlich die Ähnlichkeiten erschöpfen. Denn natürlich kann es auch in diesem Roman nicht ausbleiben, dass Leichen den Weg der Ex-Kanzlerin pflastern und sie wieder zu ermitteln beginnt. Und natürlich bleiben Komplikationen und kleine menschliche Dramen in der Nebenhandlung nicht aus.

Das Rezept Safiers ist bewährt, doch das ändert nichts daran, dass Angela Merkel zwischen Schreibblockade und Detektivarbeit einmal mehr eine Sympathieträgerin ist. Die Kosenamen Puffel und Puffeline zwischen dem Ehepaar Merkel/Sauer finde ich zwar auch im dritten Buch unnötig klamaukig, aber das sind letztlich nur kleinere Mäkeleien - hier überwiegt die Unterhaltung und ein Humor, der niemandem weh tun will. Das Ermittlerteam jedenfalls ist liebenswert-verschroben und dürfte auch künftig nicht langweilig werden.

David Safier, Miss Merkel: Mord auf hoher See

Rowohlt, 2023

320 Seiten, 18 Euro

978-3-463-00031-2