Friday, May 8, 2026

Kleinstadtmädchen im Eliteinternat

 Die Buchbeschreibunng des Coming of Age-Romans "Prep" von Curtis Sittenfeld klang vielversprechend: Ein Mädchen aus dem mittleren Westen der USA in einer Prep-School der US-Ostküste, einem jener Eliteinternate, die der Vorbereitung zum Studium an einer der nicht weniger elitären Ivy League-Universitäten dienen. Lee Fiora, Tochter eines Matratzenhändlers aus Indiana, gehörte an ihrer alten Schule stets zu den Besten. Eigeninitiativ bewirbt sie sich für die Aufnahme an einer Prep-School und ein Stipendium, stellt ihre Eltern vor fast vollendete Tatsachen.

Laut Beschreibung ein Buch über die Schwierigkeiten, einen Platz im Leben zu finden. Beim Lesen allerdings hatte ich so meine Probleme mit der Protagonistin, vor allem ihrer Passivität - sei es im Umgang mit den Mitschülern, sei es mit den akademischen Anforderungen. Von dem lernbegierigen Mädchen ihrer alten Schule, in der der Unterricht häufig ein Dialog zwischen Lee und ihren Lehrern war, ist nichts zu spüren. Die Leistungen sind allenfalls durchschnittlich - und Lee nimmt es einfach hin. Selbst als ihr wegen schlechter Matheleistungen ein Rausschmiss kurz vor dem Abschluss droht, läuft sie gewissermaßen mit Scheuklappen durch den Unterricht und entwickelt nicht den Ehrgeiz, gegenzusteuern.

Die sozialen Untzerschiede zu den Schülern aus reichem Elternhaus werden gleich in den ersten Wochen bewusst, doch auch hier macht die Autorin nicht deutlich, was das mit ihrer Protagonistin macht. Lee beobachtet stumm und unkommentiert, bleibt im Umgang mit anderen passiv und kann so weder gute noch schlechte Erfahrungen machen. Handelt sie aus einer Art Minderwertigkeitsgefühl so? Auch das bleibt letztlich offen. Lee ist keineswegs die einzige Stipendiatin, doch auch zu anderen Schülerinnen und Schülern, die materiell nicht mithalten können, sucht sie keinen Kontakt. 

Lee ist mir beim Lesen fremd und fern geblieben, und auch die Prep School als Mikrokosmos blieb merkwürdig leblos. Schade.


Curtis Sittenfeld, Prep

DuMont 2026

592 Seiten, 15 Euro

 9783832168445

Sunday, May 3, 2026

Wolliger Cozy um die Schafe von Glenkill

 Es ist Jahre her, dass ich Leonie Swanns Schafskrimi "Glenkill" gelesen habe. Als ich sah, dass Miss Maple, Mopple the Whale mit dem guten Gedächtnis, Sir Richmond und die anderen Herdentiere im Mittelpunkt des Folgebands "Garou" stehen, wollte ich natürlich wissen, welche Abenteuer die Schafe diesmal erleben. Klärten die Schafe einst den Mord an ihrem Hirten George auf, wollen sie nun dafür sorgen, dass ihrer neuen Hirtin Rebecca nichts passiert. Auch einen Ortswechsel gibt es, denn Rebecca ist mit der Herde von Irland nach Frankreich in die Nachbarschaft eines Schlosses gezogen. Dort sprechen die Leute nicht nur unverständliches Europäisch, in unmittelbarer Nachbarschaft der Schafsweide leben Ziegen - da sind sich die Schafe erst mal gar nicht sicher, ob der Umzug so eine gute Idee war.

Die vorwitzigen Ziegen sind es auch, die den Schafen vom Garou erzählen einem Menschen, in dem sich ein Wolf versteckt. Und der muss verdammt wild sein, wenn man den Zustand eines toten Rehs betrachtet, dass im Wald gefunden wurde. Doch wer ist der Garou? Kann er Rebecca und der Herde gefährlich werden? Ist den Bewohnern des Schlosses zu trauen, oder droht von ihnen Gefahr? Schwierige Fragen, und die Schafe sind gezwungen, buchstäblich ihre Komfortzone zu verlassen. Die Tiere, die sich eigentlich nur zusammen richtig wohl fühlen, müssen nicht nur individuelle Abenteuer bestehen, sie müssen auch die sichere Weide verlassen und im Wald auf Garou-Suche gehen, jenem unheimlichen Ort, wo die Bäume so dicht stehen und man den Himmel nicht sieht!

Rebecca wiederum ist abgelenkt von möglicherweise drohenden Gefahren, da ihre Mutter zu einem ausgedehnten Besuch im Schäferwagen aufgetaucht ist. Wenig Platz für zwei sehr unterschiedliche Frauen, vor allem, als Mama dann auch noch als Weissagerin mit Tarot-Karten den Schäferwagen zu ihrem Arbeitsplatz umwidmet. Nicht nur Rebecca, auch die Schafe finden das gar nicht gut.

Auch in "Garou" stellt Swann die Gedanken und die Gespräche der Schafe in den Mittelpunkt, wollige Gedankengänge, die manchmal etwas diffus sind und einer eigenen Logik folgen. Der Gegensatz im Verhalten von Schafen und Ziegen wird liebenswert und vor allem aus Schafsperspektive gezeigt, und nach anfänglichen Irritationen steht der friedlichen Koexistenz nichts mehr im Weg.  Ein liebenswerter Cozy, allen Tierfreunden zu empfehlen, die weniger auf nervenzerfetzende Spannung stehen. langsam und gemächlich erzählt - ganz so, wie Schafe auf der Weide kauen.


Leonie Swann, Garou

Dumont 2026

432 Seiten, 14 Euro

9783755805793

Tod eines Taubenzüchters

 Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall hat sie aber zu Freunden gemacht. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel - SoKo Zwergsäger" ermittelt das ungleiche Quartett ein weiteres Mal. Denn Haralds Kumpel und Schrebergartennachbar gerät unter Mordverdacht, als ein Taubenzüchter tot auf seinem Grundstück gefunden wird. Die beiden Männer hatten sich heftig gestritten. Klar, dass die übrigen Freunde Harald nicht im Stich lassen, wenn er die Unschuld seines Freundes beweisen will.

Wie schon der erste Band um die Abenteuer der Hobby-Ornithologen am Chiemsee  lebt das Buch von den sehr unterschiedlichen und durchaus eigenwilligen Charakteren. Die Protagonisten haben sich zusammengerauft, zwischen dem grantelnden Harald und dem vegan lebenden und politisch stets korrekten Thilo ist eine Freundschaft entstanden, die am Anfang des ersten Bandes ausgeschlossen schien. Katja, die zwar mit lateinischen Zitaten um sich werfen kann, deren Sozialkompetenz aber noch deutlich ausbaufähig ist, macht vorsichtige Schritte auf ihre irische Kollegin zu, in die sie sich heimlich verliebt hat. Und auch für Sabine ist trotz Doppelbelastung mit pubertierendem Sohn und pflegebedürftiger Mutter ein bißchen Romantik drin.

Vor allem aber geht es natürlich um Vögel - die wildlebenden und die, die als Zuchttiere Tausende von Euros wert sein konnen. Wo es um viel Geld geht, können sich auch schon mal Abgründe auftun - Doping im Taubensport ist da nur ein Beispiel. An Verdächtigen mangelt es den Hobby-Detektiven nicht, schwieriger ist es schon die zuständigen professionellen Ermittler von ihren Überlegungen zu überzeugen. Dass Harald gerne so tut, als sei er immer noch im Dienst der Polizei, hilft da nicht wirklich.

"Soko Zwergsäger" steht dem ersten Band nicht da. Liebenswerter Cozy-Krimi, in dem nicht nur die Vögel schräg sind.


Anna Täuber, Schräge Vögel. Soko Zwergsäger

Fischer Scherz 2026

336 Seiten, 17 Euro

 9783651001381