Eigentlich bin ich bei den Romanen von Jonas Jonasson daran gewöhnt, dass auf mehreren hundert Seiten skurrile Gestalten allen Widerständen trotzen, durch ihre Exzentrik bezaubern und von Seite zu Seite mehr Wohlfühlatmosphäre entsteht. Doch mit seinem neuesten Buch, "Wie die Schweden das Träumen erfanden" hat mich der Autor enttäuscht. Das höchste der Gefühle ist ein "ganz nett".
Die Geschichte vom deutschen Bettenfabrikanten, der nach Skandinavien expandieren will, und der schwedischen Bürgermeisterin, die ihre vom Niedergang bedrohte Kleinstadt retten will, plätschert irgendwie vor sich hin, die Charaktere bleiben blass, selbst der Schurke, ein Stockholmer Consultant, hinkt weit hinter den Bösewichten anderer Jonasson-Romane hinterher.
Mit gerade mal 160 Seiten wirkt das Buch wie eine gerade mal eben so hingeschlonzte Auftragsarbeit, auf die der Autor selbst keine Lust hatte. Man erkennt das übliche, bei aller Voraussehbarkeit liebenswerte und ergolgreiche Muster des Autors, aber er bleibt doch hinter den Erwartungen zurück, die er selbst mit seinen vorangegangenen Büchern geweckt hat. Man kann das Büchlein mal eben nebenher lesen, es ist durchaus solide Unterhaltung, aber eben nicht das, was man sonst von Jonasson kennt.
Als Loblied auf schwedisch-deutsche Völkerfreundschaft ist es ganz witzig, wie die Bürgermeisterin und ihre Helfer versuchen, den Fabrikanten für ihr Städtchen zu gewinnen - vom Angela Merkel-Kreisel bis zu einem zum Brauhaus umfunktionierten stillgelegtem Hallenbad. Doch auch das bleibt hinter früheren Einfällen Jonassons wie etwa Barack Obama und der Liebe zu schwedischem Käse zurück. Ich hoffe jetzt einfach mal auf das nächste Buch. Denn der Gedanke, Jonasson könnten die Einfälle ausgehen, wäre wirklich schade.
Jonas Jonasson, Wie die Schweden das Träumen erfanden
C. Bertelsmann 2023
160 Seiten, 22 Euro
9783570105412