Eine schwedische Autorin mit Schreibblockade hofft in Spanien, wo sie in ihrer Jugend ein Jahr lebte und studierte, auf neue Begegnungen und Inspirationen. Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts bekommt sie davon mehr, als ihr vielleicht lieb ist: Der Spanier Mercurio, der sie in einer Tapas-Bar anspricht, wird nicht nur Interviewpartner, sondern auch Mitbewohner und mehr in dem Roman "Das neue Herz" von Lina Wolff.
Mercurio mag nicht mehr taufrisch und attraktiv sein, doch seine Geschichte hat es in sich: Er hat seine Frau betrogen, wollte in einer reality show Abbitte leisten und seine Frau zurückgewinnen, die er trotz aller Eskapaden liebt. Die Nonne, die gewissermaßen die graue Eminenz der Show ist, wird doch sicherlich einen Weg finden?
Dieser Weg könnte allerdings tödlich sein - für Mercurio, hinter dem plötzlich chinesische Organhändler her sind, hat er doch live in der online-Sendung beteuert, er würde alles tun für seine Frau, die zufälligerweise ein Spenderherz benötigt....
Hat sich Wolff von Almodovar inspirieren lassen? Schräg mit einem Hauch ins Bizarre geht es in diesem Roman zu und auch die Lebensgeschichte der Nonne, die sich nach und nach entfaltet, hält einige Überraschungen bereit. Auch die Ich-Erzählerin soll nach den Plänen der Nonne eine neue Bestimmung, gewissermaßen eine Berufung finden, mit der sie nun wirklich nicht gerechnet hat.
Dieses Spanien strotzt vor absurden Begegnungen und Dialogen, die nichtsdestotrotz zum Nachdenken über Geschlechterverhältnissen, Liebe, Schuld und Vergebung anregen. Ob das nun feministische Literatur ist, wie der "Guardian" rühmt? Schräge Unterhaltung bietet "Das neue Herz" allemal.
Lina Wolff, Das neue Herz
Hoffmann & Kampe 2021
9783455010497
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