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Saturday, February 3, 2024

Der Bettenfabrikant und die Bürgermeisterin

 Eigentlich bin ich bei den Romanen von Jonas Jonasson daran gewöhnt, dass auf mehreren hundert Seiten skurrile Gestalten allen Widerständen trotzen, durch ihre Exzentrik bezaubern und von Seite zu Seite mehr Wohlfühlatmosphäre entsteht. Doch mit seinem neuesten Buch, "Wie die Schweden das Träumen erfanden" hat mich der Autor enttäuscht. Das höchste der Gefühle ist ein "ganz nett". 

Die Geschichte vom deutschen Bettenfabrikanten, der nach Skandinavien expandieren will, und der schwedischen Bürgermeisterin, die ihre vom Niedergang bedrohte Kleinstadt retten will, plätschert irgendwie vor sich hin, die Charaktere bleiben blass, selbst der Schurke, ein Stockholmer Consultant, hinkt weit hinter den Bösewichten anderer Jonasson-Romane hinterher. 

Mit gerade mal 160 Seiten wirkt das Buch wie eine gerade mal eben so hingeschlonzte Auftragsarbeit, auf die der Autor selbst keine Lust hatte. Man erkennt das übliche, bei aller Voraussehbarkeit liebenswerte und ergolgreiche Muster des Autors, aber er bleibt doch hinter den Erwartungen zurück, die er selbst mit seinen vorangegangenen Büchern geweckt hat. Man kann das Büchlein mal eben nebenher lesen, es ist durchaus solide Unterhaltung, aber eben nicht das, was man sonst von Jonasson kennt.

Als Loblied auf schwedisch-deutsche Völkerfreundschaft ist es  ganz witzig, wie die Bürgermeisterin und ihre Helfer versuchen, den Fabrikanten für ihr Städtchen zu gewinnen - vom Angela Merkel-Kreisel bis zu einem zum Brauhaus umfunktionierten stillgelegtem Hallenbad. Doch auch das bleibt hinter früheren Einfällen Jonassons wie etwa Barack Obama und der Liebe zu schwedischem Käse zurück. Ich hoffe jetzt einfach mal auf das nächste Buch. Denn der Gedanke, Jonasson könnten die Einfälle ausgehen, wäre wirklich schade.


Jonas Jonasson, Wie die Schweden das Träumen erfanden

C. Bertelsmann 2023

160 Seiten,  22 Euro

9783570105412


Tuesday, December 13, 2022

Keine Zeit für Weltuntergang - der neue Jonasson

 Man könnte Jonas Jonasson vorwerfen, dass seine Bücher alle auf dem gleichen Muster beruhen: Sympatische Losertypen und skurrile Außenseiter, allein beziehungsweise in erstaunlichen Bündnissen, gegen den Rest der Welt. Das Happy end ist garantiert.Und weil die Widersacher so ungleich härter und gemeiner sind, ist ein Jonasson-Roman das literarische Äquivalent zu einer besonders weichen Kuscheldecke oder einer heißen Schokolade mit extra viel Sahne. Und das macht "Drei fast geniale Freunde auf dem Weg zu Ende der Welt"  bei aller Vorhersehbarkeit genau richtig für die kalte, dunkle Jahreszeit, die angesichts steigender Energiepreise und Inflation für viele Menschen derzeit noch düsterer ausfällt, zur fast schon therapeutischen Lektüre: Es wird schon alles gut ausgehen.

Mit dem "nicht ganz so begabten" gutgläubigen Johan hat Jonasson in seinem neuen Buch eine Art schwedichen Forrest Gump geschaffen, der es aus allen Tiefen irgendwie wieder rausschafft und klügere, reichere und erfolgreiche Menschen inspiriert - in diesem Fall den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Ex-UN-Generalsekretär Ban-ki Moon. Außerdem ist er ein genialer Koch, dessen Geschmacksnerven das Gegenstück zum absoluten Gehör von Musikern sind.

Gleich auf den ersten Buchseiten wird Johan unversehens zum Lebensretter, weil er nicht Autofahren kann und mit der unfreiwilligen Karambolage mit einem Wohnwagen die Lehrerin und Weltuntergangsprophetin Petra bei ihrem geplanten Selbstmord unterbricht. Zwar geht nach den Berechnungen von Petra die Welt ohnehin in zwölf Tagen unter, doch so lange wollte die schwer depremierte und freudlose Frau nicht warten. 

Dritte im Bunde wird Agnes, 75-jährige Instagram-Influencerin, die zwar nie aus Schweden herausgekomen ist, aber ein virtuelles Alter Ego geschaffen hat, das an die szenigsten Orte der Welt jettet - Bildbearbeitung machts möglich. Dank seiner neuen Freundinnen, kommt Johan zu ein paar neuen Einsichten - darunter der Erkenntnis, dass sei bewunderter großer Bruder Fredrik ihn sein ganzes Leben lang ausgenutzt und übervorteilt hatte. Höchste Zeit also, ihm gehörig die Meinung zu sagen - vor allem, da ja laut Petra das Ende der Welt bevorsteht. 

Fredrik ist als Nachwuchsdiplomat auf seinem ersten Auslandsposten als dritter Sekretär der schwedischen Botschaft in Rom. Als Johan ihn dort zur Rede stellen will, avanciert er aber völlig unerwartet auf dem diplomatischen Parkett, diskutiert mit seinem neuen Kumpel Barack die Probleme der Afrikanischen Union und die Vorzügichkeit schwedschen Käses.  Komplikationen gibt es trotzdem, denn Agnes falsche Internet-Identität fliegt auf, es gibt Steuerprobleme und Betrugsvorwürfe,, Interpol ist dem Trio auf den Fersen und ein fiktives afrikanisches Land, dessen herausrangendsten Merkmale Korruption und Vetternwirtschaft sind, wird nicht nur zum vorläufigen Fluchtpunkt, sondern erweist sich für Johan als Wendepunkt seines bisherigen Lebens. 

Schweizer Finanzjongleure, afrikanische Potentaten und russische Mafia spielen eine Nebenrolle in dem turbulenten Roman über die Abenteuer von Johan und seinen Freunden, Klar, dass das Gute siegt und Fiesheit abgestraft wird. Und die Welt geht auch nicht unter. Das Prinzip Hoffnung setzt sich eben auch im neuen Wohlfühl-Buch von Jonas Jonasson durch.


Jonas Jonasson, Drei fast geniale Freunde auf dem Weg zum Ende der Welt

C. Bertelsmann 2022

447 Seiten, 24 Euro

ISBN 978-3-570-10486-6