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Saturday, April 1, 2023

Kegelturnier mit Leiche

  Mit "Fiese Brise in St Peter-(M)Ording hat Tanja Janz ein zweites Mal ihre Küstenermittler auf einen Fall losgelassen.  Küstenpolizist Feddersen und sein ursprünglich aus dem Ruhrpott stammender Kollege sind diesmal mit eine Kegelturnier mit tödlichen Begleiterscheinungen beschäftigt - einer der Favoriten des Turniers liegt tot in seinem Wohnwagen. 

Feddersens "Muddi" strebt zwar selbst die Kegelkrone an, steht aber nicht unter Tatverdacht, während Schwester Ilva, die eigentlich Lehrerin ab der Nordseeschule ist,  sich nur zu gerne wieder als Hobby-Schnüfflerin betätigen will. Feddersen darf ja eigentlich nichts erzählen, aber Fischbrötschen korrumpieren auch ihn.

Wer Hochspannung und Nervenkitzel sucht, ist hier falsch. Dieser Küstenkrimi ist nicht nur cozy, er stellt seine Leser auch nicht sonderlich vor Rate-Herausforderungen. Mir war jedenfalls ziemlich schnell klar, wer der Bösewicht in der Geschichte ist und tatsächlich gab es bei der Auflösung des Falls keine Überraschung. 

Im Vergleich zu Janz´ ersten Küstenkrimi kommt mir dieser ein wenig zerfasert vor, viel Unruhe durch Nebenstränge, die wenig zum Gesamtbild des Buches beitragen, die sich wiederholenden Sprüche ("Kerle Kiste") wirken beim gefühlten 20. Mal auch nicht origineller. Es gart irgendwie alles im eigenen Saft. Irgendwie waren liebenswerte Schrullen im ersten Band besser herausgearbeitet.

Als Strandkorblektüre ist die "Fiese Brise" nett wegzulesen, aber mehr sollte man besser nicht erwarten.  Schade, denn ich hatte mich auch die Fortsetzung mit neuen Abenteuern der Waterkant-Ermittler gefreut. Immerhin: Die Strände und Salzwiesen von St Peter-Ording wecken Erinnerungen an Sommer an der Nordsee, Deichspaziergäge und weiten Himmel. Das ist nie verkehrt.


Tanja Janz, Fiese Brise in St Peter (M)Ording

Ullstein 2023

336 Seiten, 11,99

 9783548064512 


Saturday, September 3, 2022

Ein Entführungsfall wird persönlich

 Es muss nicht immer Blut fließen für spannende Unterhaltung - auch wenn eingefleischte Horror-Fans das sicherlich energisch bestreiten. Für alle, die nicht ganz so hardcore sind, hat Stefanie Schreiber für alle Nordseeliebhaber den mittlerweile dritten Band ihrer Serie um den kauzigen Hausmeister Torge Trutsen geschrieben, der der örtlichen Polizei stets gern unter die Arme greift - ob die das nun will oder nicht. In  "Das 13. Kind aus St. Peter Ording" muss er sogar in eigener Sache ermitteln.

Eigentlich wollte Torgen pünktlich Feierabend in der Ferienhausanlage "Weiße Düne" machen, schließlich steht Enkelbesuch an. Doch als eine aufgeregte Mutter das Verschwinden ihres sechsjährigen Sohnes meldet, leiert er sofort eine Such- und Hilfsaktion an. Bei Küstenkommissar Knud Petersen weckt die Vermisstennachricht schlimme Erinnerungen: Vor fünf Jahren verschwanden Monatelang Konder aus St Peter Ording. Die meisten tauchten nach wenigen Tagen wieder auf,  offenbar ohne körperliche oder seelische Schäden. Doch ein dreijähriges Mädchen blieb seitdem spurlos verschwunden. Geht es nun wieder los?

Torge Trutsen ist nicht der einzige "Zivilist", der sich am Hilfseinsatz beteiligt. Auch Society-Reporterin  Gloria von Brandenburg, die sich an der Nordsee bisher gelangweilt hatte - hätte es denn nicht wenigstens Sylt sein können! - wird aktiv. Recherchieren ist schließlich ihr Metier. Die Erleichterung ist groß, als der kleine Timo wieder auftaucht - und sie währt kurz: Bei einem Ausflug verschwindet ausgerechnet Torgens kleine Enkelin. Nun ist die Sache persönlich - und die "richtigen" Polizisten möchten ihn angesichts der persönlichen Betroffenheit am liebsten außen vor halten. Doch da haben sie die Rechnung ohn Torge Trutsen gemacht.

Ein bißchen romantisches Flirren liegt auch in der Nordseeluft, denn der bodenständig-zurückhaltende Knud reagiert für seine Verhältnisse ungewohnt heftig, als Kommissarin Charlotte Wiesinger einen smarten Hamburger Profiler mit überbordenden Selbstbewusstsein anfordert. Was womöglich auch damit zu tun hat, dass ihm die Kollegin ausnehmend gut gefällt und auch der hinzugezogene Kollege anfällig für die Reize der Kommissarin zu sein scheint.

Ein vermisstes  Kind - im wirklichen Leben gibt es nur selten ein happy end, wenn ein Kind tatsächlich  entführt wird.  In Schreibers Cozy-Krimi werden zwar ebenfalls Ängste geschürt, doch das der Fokus liegt auf den zwischenmenschlichen Beziehungen der Ermittler und ihrer zivilen Mitstreiter. Klar ist am Ende eines: So aufregend hätte sich Lifestyle-Reporterin von Brandenburg ihren Urlaubsort nicht vorgestellt. Und wer nicht im Strandkorb mit Nordseeblick lesen kann, bekommt auf jeden Fall einen Cozy-Krimi mit Nordseeflair.


Stefanie Schreiber, Das 13. Kind aus St Peter-Ording

Kampenwand 2022

308 Seiten

978-3-9866005-8-7