Saturday, April 22, 2023

Schöne reiche Bloggerin ermittelt in Bordeaux

 "Mord in Bordeaux" von Sandrine Albert ist ein typischer Urlaubskrimi, mit dem man sich vor, während oder nach der Reise mit der Urlaubsregion verbinden kann, in diesem Fall bevorzugt für Zuschauer von Seifenopern und Serien a la "Das Traumschiff". Denn reale Lebensbedingungen gelten hier nur für Nebenfiguren, die Protagonisten wirken allesamt wie aus dem Serienkatalog entschieden: Claire Molinet ist schön und reich, allerdings nicht aufgrund eigener Anstrengungen - Monsieur le Papa hat ihr denn auch die feudale Villa am Meer überlassen, in der sie nun residiert, mit gelegentlichem Techtelmechtel mit dem achtsamen Gärtner.  Deswegen kann sich die Privatdetektivin auch leisten, ihrem Hobby als Foodbloggerin zu frönen und nicht irgendwelche Feld- Wald- und Wiesenfälle übernehmen zu müssen wie Kollegen, die tatsächlich aufs Geldverdienen angewiesen sind. Kein Wunder, dass ihre Arbeit deutlich aufregender ist als die eines stinknormalen privaten Ermittlers!

Eigentlich leidet sie noch immer unter dem Liebesweh einer vorangegangenen Beziehung, die vermutlich die Leserinnen des ersten Bandes kennen.  Allerdings schwingen auch durchaus emotionale Spannungen mit, wenn Claire mit dem Commissaire Raoul Chénier zu tun hat, Typ groß, dunkelhaarig und gutaussehend, also auch ein wenig klischeehaft,  mit einem klitzekleinen Stück Sozialkritik an französischen Verhältnissen, hat sich der Arbeitersohn doch seinen  Weg in die Welt der Grand Ecole Absolventen erkämpft.

Mit dem Kniff, sich mit einem französisch (oder britisch, italienisch, portugiesisch usw) klingenden Pseudonym einen Anschein Landes-Authentizität zu verschaffen, ist die deutsche Autorin ja nicht allein unter den deutschsprachigen Krimischriftstellern. Die in den Text eingeworfenen Französisch-Brocken borden dann allerdings ein wenig über. Merci, ich habe schon verstanden: Mord in Bordeaux, spielt in Frankreich. Da sprechen die Leute französisch, auch wenn das Buch in deutsch geschrieben ist, da für deutsche Leser*innen.  Genug!

Wer bis hierher gelesen hat, ahnt schon: Dieser Krimi ist cozy. Was ja nichts schlechtes sein muss. So ist der Tod eines Politikers in einem Sternerestaurant, den Claire gewissermaßen vom Nebentisch miterlebt, der Auftakt einer Recherche, bei der die Ermittlerin im Alleingang dem Polizeiapparat nicht nur stets eine Nasenlänge voraus ist, sondern auch den richtigen Riecher hat. 

Was den eigentlichen Plot betrifft - der ist eigentlich richtig gut. In einem der typischen düsteren Skandinavienkrimis schwedischer Tradition wäre das richtig gut geworden. Hier plätschert die mit dem Fall verbundene Gesellschaftskritik eher sotto voce vor sich hin. 

Die Ermittlerin bleibt realitätsfern, aber so ist das nun mal bei Seifenopernpersonal. Manche Serien guckt man wegen der schönen Landschaft, nicht wegen der nach kurzer Zeit vorhersehbaren Geschichten. So ähnlich ist es mir mit "Mord in Bordeaux" gegangen. La belle France überzeugt, man merkt der Autorin die Liebe zur Region an, und für den Krimi zum Frankreich-Urlaub reicht das schon. Was den Rest betrifft: ganz nett, aber eben auch sehr vorhersehbar.


Sandrine Albert, Mord in Bordeaux

Ullstein 2023

416 Seiten, 11,99

9783548067346

Thursday, April 20, 2023

Die Freundinnen der Braut und ihre Geheimnisse

  Schon das Cover von Lucy Clarke´s "One of the girls" macht neugierig: Eine von uns lügt. Eine von uns betrügt. Doch würde eine von uns töten? Und eine Leiche wird es geben, so viel verrät schon der Klappentext. Da scheint die hen night, der Juniggesellingenaben (oder viel mehr langes Wochenende) von sechs Britinnen auf einer griechischen Insel, gründlich aus dem Gefüge zu geraten....

Die Dynamik innerhalb der kleinen Gruppe ist von Anfang an von Konflikten überschattet. Da ist Bella, Trauzeugin, selbsternannte beste Freundin der Braut Lexi, die ständig die besondere Vertrautheit mit Lexi herausstreicht. Doch gleichzeitig hält sie an der Lexi vor zehn Jahren fest, einer lebenslustigen, wilden Frau, Partynächte auf Iniza, das Leben als Dauerrausch. Es ist die Art Leben, das Bella noch immer pflegt, auch um die Angst vor dem Scheitern der Beziehung zu ihrer Freundin Fen hat, die ein Fitnessstudio leitet und mit der Insel, auf der sie dank Fens Tante eine Villa nutzen können, ein paar schlimme Erinnerungen verbindet.

Doch mittlerweile unterrichtet Lexi Yoga, hat sich verlobt ud ist an einem sehr viel ruhigeren Leben interessiert - auch wenn Bella das nicht dulden kann. Dazu passt, dass sie nun besonders eng mit Ana befreundet ist, einer alleinerziehenden Mutter mit halbwüchsigen Sohn, die sie erst in London i ihrem Yogastudio kennengelernt hat.. Alleinerziehend ist auch Robyn, die zu Schulzeiten ein unzertrennliches Trio mit Lexi und Bella gebildet hat, Doch seitdem hat sich Entfremdung zwischen Robyn und Bella entwickelt.

Als Fremde in der Gruppe fühlt sich auch Elanor, Lexis künftige Schwägerin. Für sie ist das Partywochenende besonders schwierig - nicht nur weil sie niemanden kennt und eher introvertiert ist. Ihr eigener Verlobter ist kurz vor der geplanten Hochzeit gestorben. Unter dem Verlust leidet sie noch immer, Feierstimmung will sich bei ihr nicht breit machen.

Die Autorin legt allerlei Fußangeln, unterbricht immer wieder buchstäblich in cliffhanger-Situationen, um zu einem anderen Erzählstrang, einer anderen Perspektive zu wechseln. Denn die Villa der hen night liegt auf einem Felsen, hinter einem niedrigen Mäuerchen geht es lebensgefährlich tief hinab. Wanderungen auf steilen Klippen machen klar, wie schnell ein falscher Schritt tödlich enden kann. Hinzu kommt, dass jede Frau ein Geheimnis hat.

Die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten der sechs Frauen sorgen für Konflikte, Spannungen und viel zwischenmenschliches Drama. Geheimnisse werden gelüftet, Bündnisse geschlossen und nicht nur die griechische Sommerluft brennt zwischen den Frauen. Beim Lesen bleibt immer wieder die Frage nach der noch ausstehenden Leiche. Wird es ein Unfall sein, ein eskalierender Streit, ein geplanter Mord? Wer ist Täterin, wer Opfer? Manche Situation, die schon direkt zu einer Toten zu führen scheint, endet dann doch ganz anders. Dass es dann noch einmal ganz anders kommt, ist schlüssig und bringt das Beziehungsgefüge in der griechischen Villa noch einmal durcheinander. 

Das Mädelswochenende dürfte allen Beteiligten in Erinnerung bleiben - und auch seine Folgen bleiben nicht unerwähnt. "One of the girls" bietet spannende Unterhaltung, die vor allem psychologischer Art ist. Die Tatsache, dass die Handlung überwiegend in einer isolierten Villa spielt, trägt zudem zu einem "locked room drama" bei. Chick-Lit der dramatischern Art.

Lucy Clarke, One of the girls

dtv 2023

432 Seiten, 9,99

  978-3-423-44223-7

Saturday, April 15, 2023

Ermittlungen in Portugal

 Mit "Südlich von Porto lauert der Tod" hat Mariana da Silva einen Cozy Krimi mit viel Portugal Feeling sowie Schlenkern zu den kulinarischen Verlockungen des Landes am Atlantik (Ich sage nur, Pasteis de nata.... mmmmmm) geschrieben. Dabei ist ihr der landeskundliche Teil in meinen Augen deutlich besser gelungen als der Krimi-Plot und die Protagonistin, bei der ich mir ein bißchen weniger larmoyanten Blick zurück auf die offenbar traumatisierende Vergangenheit bei der Stuttgarter Kripo gewünscht hätte. Denn wirklich erklärt wird nicht, was Ria Almeida so nachhaltig schockte, dass sie sich in den Streifendienst versetzen ließ, mal abgesehen von der unharmonisch ausgegangenen Affäre mit dem Vorgesetzten. 

Doch jetzt ist Stuttgart weit, Ria ist zu Besuch im Dorf, aus dem  ihre Familie stammt. Der Tod und die Beerdigung des Großvaters sind der Anlass, eine längere Auszeit bei der Familie zu nehmen. Als eine tote Restauratorin gefunden wird und die Leiche kurz danach verschwindet, werden aber auch Rias Ermittlerinnen-Instinkte wieder geweckt. Kurzentschlossen unterstützt sie Joao, den Mann ihrer Cousine, der Dorfpolizist des Dorfes ist. Mordermittlungen gehörten bisher nicht zu seinem Erfahrungsschatz. Als der eher arrogant auftretende Ermittler aus der Stadt dazukommt, tun sie einfach so, als gehöre auch Ria zur örtlichen Polizei. Wie der Leser schon ahnt, die kleine Lüge wird noch Folgen haben.

Es geht um Kunst, Tourismus und Wirtschaftsaufschwung, um politische Ambitionen und private Passionen, aber irgendwie kratzt der Plot nur an der Oberfläche, da die Autorin sich übertrieben viel Zeit für ihre Protagonistin nimmt, die für eine erfahrene Ermittlerin irgendwie ziemlich unsicher, emotional und unanalytisch wirkt.  Die Stimmungsschwankungen und Selbstzweifel Rias sind für mich dann irgendwann zuviel des Guten, die Beziehungen und Entwicklungen der Figuren lassen wenig Raum für Überraschungen und nur das Portugal-Ambiente versöhnt mit dem kriminalistischen Teil des Buches, das eher durchschnittlich gerät. 

Nette Idee der Autorin ist, jedem Kapitel ein landeskundliches Schnipselchen voranzustellen und dann irgendwie im Text unterzubringen.  

Mariana da Silva, Südlich von Porto lauert der Tod

Ullstein 2023

336 Seiten,  14,99

9783548066523

Friday, April 7, 2023

Liebenswertes Ermittlerteam mit Eichhörnchen als Verstärkung

 Immer, wenn ich in Amsterdam an den Grachten entlangspaziere, blicke ich auf die dort lagernden Hausboot und stelle, mir vor, wie schön es sein muss, auf so einem Boot zu leben. "Die Hausboot-Detektei" von Amy Achterop weckte also gleich mein Interesse. Und tatsächlich habe ich diesen Cozy-Krimi mit großem Vergnügen gelesen, was vor allem an der liebenswerten Detektivgruppe liegt, die teils Außenseiter und Pechvögel sind, an der Liebe oder dem Leben gescheitert und die der Ex-Polizist Arie und Chef-Detektiv um sich gesammelt hat.

Arie ist der einzige Profi der Gruppe, aber seit er seinen früheren Partner und einst besten Freund im Bett mit seiner Frau überrascht hat, ist nicht nur die Ehe vorbei, sondern auch die Polizeikarriere. Maddie, kampfsporterfahren und mit Anger issues, kümmert sich um ihre jüngere Schwester, die das Down-Syndrom hat und davon träumt, Modedesignerin zu sein. Dann ist da noch Transmann Jan, mit Hipster-Bart und großem Herzen, der sich immer noch vergeblich danach sehnt, von der eigenen Familie anerkannt zu werden, die nach einer gescheiterten Liebe unter Schreibblockade leidende schwedische Krimiautorin Elin und der Engländer Jack, der mal Ingenieur war, aber jetzt nicht so recht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. 

Alles in allem also vielleicht nicht die qualifizierteste Detektivtruppe, auch wenn sie zwecks Mitarbeiterschulung  auf dem Hausboot stundenlang Miss Marple-Filme schauen oder sich um das verwaiste Eichhörnchen Fru Gunilla kümmern, das vor allem von Jan liebevoll aufgepäppelt wird.

Dennoch kommen die Hausboot-Detektive, deren Schiff noch nicht einmal von einem Firmenschild geziert wird, schon bald an ihren ersten Fall. Man könnte auch sagen, es handelt sich um Industriespionage auf Sternen-Küche-Niveau. Denn zur Hochzeit seiner Tochter will ein Unternehmer zwischen zwei Spitzengastronomen wählen. Die sollen ihn zunächst aber mit einem außergewöhnlichen und noch nicht dagewesenen Dessert überzeugen.

 Was die Polizei nicht weiß, die Leser aber schon sehr viel früher: Die beiden Gastronomen spielen gewissermaßen mit gezinkten Karten und haben so einiges zu verbergen. Die Hochzeit dürfte allen beteiligten in der Tat unvergesslich werden, allerdings nicht unbedingt aufgrund des besten Erinnerungen. 

Turbulent geht es bei den Ermittlungen jedenfalls nicht nur wegen des temperamentvollen Eichhörnchens zu. Dieser Cozy-Krimi überzeugt mit seinen liebenswert-schrägen Figuren, die man beim Lesen richtig lieb gewinnt. Ich bin jedenfalls auf das nächste Abenteuer der Hausboot-Detektei gespannt. Hier kommt es weniger auf einen ausgefeilten, raffinierten Plot an als auf das Zwischenmenschliche. Zugleich ein Buch, das Toleranz und Inklusion groß schreibt, ganz ohne missionarischen Eifer, aber pragmatisch und mit warmem Humor. Spielt zwar in Amsterdam, erzeugt aber hyggelige Gefühle!

Amy Achterop, Die Hausboot-Detektei. Tödlicher Genuss

Fischer Taschenbuch, 2023

352 Seiten, 12 Euro

978-3-596-70670-9



Tuesday, April 4, 2023

Wasserschutzpolizistin will mehr am Meer

 Als Tochter eines Fährschiffkapitäns liegt das maritime Element Agatha Christensen im Blut - da ist es wohl nur konsequent, dass die junge Polizistin nach der Ausbildung in Hamburg ins heimische Cuxhaven zurückgekehrt ist und nun bei der Wasserschutzpolizei Dienst tut. Auch in ihrer Freizeit ist sie gerne mit eigenem Boot unterwegs. Dass sie am freien Tag auf einem solchen Ausflug eine Wasserleiche findet und bergen muss, war allerdings nicht geplant. Dafür passt der Titel "Windstärke Tod" in Bente Storms Nordseekrimi  zur ersten Leiche in den ersten Kapiteln des Buches.

Schnell steht fest: Unfall oder Selbstmord scheiden wohl aus - sprich, die Kriminalpolizei übernimmt. Der zuständige Kommissar Victor Carvalho ist zwar optisch ein Leckerbissen, will sich von Agatha aber nicht in die Ermittlungs-Karten blicken lassen, so neugierig sie auf weitere Ergebnisse auch ist. Denn der Tod des Mannes könnte mit einem politischen Streit zusammenhängen, sollte er doch als Mediator im Auftrag der Stadt, sprich der Oberbürgermeisterin, zwischen Tourismusindustrie und einem Energieunternehmen im Konflikt um den Bau eines Windparks vermitteln. Und auch die Umweltschützer streiten in der Frage mit.

Ein aktueller Bezug also, denn Windräder liefern einerseits saubere Energie, sind anderen aber optisch ein Dorn im Auge - nicht nur an der Küste. In "Windstärke Tod" stellt sich allerdings bald heraus, dass die Konfliktparteien auch auf andere Weise miteinander in Beziehung stehen und auch der tote Mediator durchaus etwas zu verbergen hatte. Mit einer weiteren Leiche stehen nicht nur die Honoratioren der Stadt unter Verdacht, Carvalho steht auch unter gewaltigem Druck seines Vorgesetzten, der schnellstmöglich Ergebnisse sehen will.

Agatha würde nur zu gerne unterstützen - je mehr sie, meist gegen den Willen Carvalhos, mit dem Fall befasst ist und eigene Ermittlungen anstellt, desto mehr hadert sie mit der Rolle, die sie bei der Wasserpolizei hat: Wenn es spannend wird, werden die Fälle an Kripo oder Zoll weitergereicht. Ist diese Arbeit wirklich, was sie machen will?   

Als Konfliktlöserin und Schnüfflerin ist Agatha bei dem Kripobeamten allerdings gefragt, wenn es um seine pubertierende Schwester geht, die seit neuestem die Schule schwänzt und auch sonst recht unnahbar geworden ist. Es ist nicht wirklich logisch, dass Agatha, die das Mädchen überhaupt nicht kennt, so völlig auf dem Off einen Draht von Frau zu Frau aufbauen soll, aber immerhin erkennt sie, dass der Freund des Mädchens nicht ganz sauber ist und in der Vergangenheit schon mal durch Dealen aufgefallen ist.

Auch sonst hat dieser eher cozy gestaltete Krimi ein paar logische Schwächen, allerdings auch liebenswerte Charaktere und maritimes Feeling. Ein paar Stereotypen werden schon ausgewalzt, gerade wenn es um die portugiesische Familie Carvalhos, allen voran la mamma, geht. 

Am Ende des Buches ist klar: Es wird weitergehen. Ob Agatha der Wasserschutzpolizei die Treue halten wird, bleibt abzuwarten. Und ob die Beziehung zu Carvalho rein dienstlich bleibt, ebenso. Alles in allem ein solider Küstenkrimi mit viel Lokalkolorit.


Bente Storm, Windstärke Tod

Ullstein 2023

368 Seiten, 14,99

9783548066752

Saturday, April 1, 2023

Kegelturnier mit Leiche

  Mit "Fiese Brise in St Peter-(M)Ording hat Tanja Janz ein zweites Mal ihre Küstenermittler auf einen Fall losgelassen.  Küstenpolizist Feddersen und sein ursprünglich aus dem Ruhrpott stammender Kollege sind diesmal mit eine Kegelturnier mit tödlichen Begleiterscheinungen beschäftigt - einer der Favoriten des Turniers liegt tot in seinem Wohnwagen. 

Feddersens "Muddi" strebt zwar selbst die Kegelkrone an, steht aber nicht unter Tatverdacht, während Schwester Ilva, die eigentlich Lehrerin ab der Nordseeschule ist,  sich nur zu gerne wieder als Hobby-Schnüfflerin betätigen will. Feddersen darf ja eigentlich nichts erzählen, aber Fischbrötschen korrumpieren auch ihn.

Wer Hochspannung und Nervenkitzel sucht, ist hier falsch. Dieser Küstenkrimi ist nicht nur cozy, er stellt seine Leser auch nicht sonderlich vor Rate-Herausforderungen. Mir war jedenfalls ziemlich schnell klar, wer der Bösewicht in der Geschichte ist und tatsächlich gab es bei der Auflösung des Falls keine Überraschung. 

Im Vergleich zu Janz´ ersten Küstenkrimi kommt mir dieser ein wenig zerfasert vor, viel Unruhe durch Nebenstränge, die wenig zum Gesamtbild des Buches beitragen, die sich wiederholenden Sprüche ("Kerle Kiste") wirken beim gefühlten 20. Mal auch nicht origineller. Es gart irgendwie alles im eigenen Saft. Irgendwie waren liebenswerte Schrullen im ersten Band besser herausgearbeitet.

Als Strandkorblektüre ist die "Fiese Brise" nett wegzulesen, aber mehr sollte man besser nicht erwarten.  Schade, denn ich hatte mich auch die Fortsetzung mit neuen Abenteuern der Waterkant-Ermittler gefreut. Immerhin: Die Strände und Salzwiesen von St Peter-Ording wecken Erinnerungen an Sommer an der Nordsee, Deichspaziergäge und weiten Himmel. Das ist nie verkehrt.


Tanja Janz, Fiese Brise in St Peter (M)Ording

Ullstein 2023

336 Seiten, 11,99

 9783548064512 


Saturday, March 4, 2023

Die Ermittler aus der Seniorenresidenz und die Operation Geldwäsche

  Es gibt Bücherserien, die nach dem ersten Erfolg abflauen und in Routine erstarren. Die Donnerstagsmordclub-Serie  von Richard Osman gehört erfreulicherweise nicht dazu. In ihrem dritten Fall  mischen die vier Hobby-Schnüffler aus der Seniorenresidenz einen Fall von Geldwäsche auf. Und noch nie war so viel Liebe mit im Spiel. Die angejahrten Freizeitermittler, die mittlerweile stramm auf die 80 zugehen, wollen diesmal einen Mord ohne Leiche aufklären. Denn vor Jahren verschwand eine junge Journalistin, die einem brisanten Fall von Geldwäsche auf der Spur war. Ihr Auto stürzte über eine Klippe, doch die Leiche der jungen Frau blieb verschwudnen. 

Die ehemalige Krankenschwester Joyce macht sich ja zunächst ein bißchen Hoffnung auf den silberlockigen Moderator der Nachrichtensebdung des Lokalsenders, der mit der Vermissten befreundet war. Erotisch kann der Frauen allerdings so gar nichts abgewinnen - Pech für Jodyce. Dafür ist die energische Maskenbildnerin Pauline eine Frau nach dem Herzen von Ron, dem rauhbeinigen ehemaligen Gewerkschaftsführer. Hier kann er nun auch einmal seine sanfte Seite zeigen. 

Psychiater Ibrahim wiederum ist als Therapeut der inhaftierten Drogenbossin Connie gefragt. Vielleicht schafft er es ja noch, ihr die Pläne für einen Mord an seinem besten Kumpel Ron auszureden. Und Elizabeth, die ehemalige MI6-Agentin? Sie wird zusammen mit Ehemann Stephen entführt und wird zu einem Mordauftrag an einem ehemaligen KGB-Oberst erpresst. Kein Zweifel, das muntere Quartett kommt kaum zum Ermitteln bei soviel Ablenkung! Und dann ist da noch Elizabeths  Sorge um den geliebten Stephen, dessen Demenz immer weiter fortschreitet.

Für Chauffeursdienste und Muskeleinsatz erhalten die Senioren wie schon in den vorangegangenen Bänden tatkräftige Unterstützung von Bogdan, dem starken Polen mit allerlei Talenten und Kontakten, und auch Chris und Donna, die beiden Polizisten, mit denen sie schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, sind wieder mit dabei.

Ein bewährtes Team also, mit liebenswerten Charakteren, die im Laufe der Jahrzehnte ihre kleinen Eigenarten entwickelt haben, gemeinsam aber trotz arthritischer Knie und verschlechterter Sehkraft unschlagbar sind. Manchmal geht es zwar drunter und drüber, doch die hartnäckigen Alten mit ihrem kauzigen Charme lassen sich nicht von einer einmal aufgenommenen Fährte abbringen und habe so ihre Tricks, von der Fernsehmoderatorin bis zum Polizeipräsidenten andere für ihre Vorhaben einzuspannen.

Für Leser, die die beiden vorangegangenen Bände nicht kennen, ist das Buch vielleicht ein bißchen überfrachtet, denn so manches baut auf den Frozzeleien und Sticheleien der Vergangenheit auf. Klar, dass das Quartett auch diesmal wieder auf reichlich unorthodoxe Art ermittelt, mal scheinbare Naivität, mal die Killer-Qualitäten von Elizabeth einsetzt und gleich vierfach aus dem Erfahrungsschatz eines langen Lebens schöpfen kann.

Turbulent, humorvoll und sehr britisch ist diese Cozy Krimi-Serie und es bleibt zu hoffen, dass Richard Osmond seinen Romanfiguren ein langes Ermittlerleben beschert. 

Richard Osmond, Der Donnerstagsmirdclub und die verirrte Kugel

List 2023

432 Seiten, 17,99 Euro

9783471360521